Kurz gefasst
Ein Newsletter kann Farben, Bilder und Aufbau Ihrer Webseite zuverlässig übernehmen — bei der Schrift gilt das nicht. Ob die Hausschrift beim Empfänger erscheint, entscheidet dessen Mailprogramm, nicht der Absender. Apple Mail, Thunderbird und einige weitere zeigen sie, Outlook und die meisten Webmail-Dienste nicht. Dieser Artikel erklärt, warum das so ist, welches Programm was kann, und welche Schriften immer funktionieren.
Warum ein E-Mail keine Webseite ist
Eine Webseite wird von einem Browser dargestellt. Der Browser lädt alles nach, was die Seite verlangt — auch Schriftdateien. Deshalb sieht eine Webseite bei allen Besuchern gleich aus.
Ein E-Mail wird nicht von einem Browser dargestellt, sondern vom Mailprogramm des Empfängers. Dort gelten drei Einschränkungen:
- Nachladen wird oft unterbunden. Eine Schrift, die auf dem Gerät nicht installiert ist, müsste im Moment des Lesens aus dem Internet geholt werden. Viele Mailprogramme lassen das nicht zu — aus Datenschutzgründen, aus Sicherheitsgründen und damit ein Mail auch ohne Internetverbindung lesbar bleibt.
- Webmail räumt fremde Anweisungen weg. Dienste wie Gmail oder Outlook.com zeigen die Nachricht innerhalb ihrer eigenen Oberfläche an. Eine fremde Schriftanweisung könnte diese Oberfläche mitverändern, deshalb wird sie beim Einlesen entfernt.
- Was fehlt, wird ersetzt. Kann die gewünschte Schrift nicht geladen werden, greift die hinterlegte Ersatzschrift. Deshalb gibt man im Newsletter nie eine einzelne Schrift an, sondern immer eine Reihenfolge, die mit einer überall vorhandenen Schrift endet.
Was die einzelnen Mailprogramme können
| Mailprogramm | Lädt eine Webschrift nach? | Der Empfänger sieht |
|---|---|---|
| Apple Mail auf dem Mac | Ja | Ihre Schrift |
| Apple Mail auf iPhone und iPad | Ja | Ihre Schrift |
| Thunderbird | Ja | Ihre Schrift |
| Samsung Mail (Android) | Ja, ausser bei Microsoft-Adressen | Ihre Schrift |
| Proton Mail auf Android | Ja | Ihre Schrift |
| GMX und Web.de auf dem iPhone | Ja | Ihre Schrift |
| Gmail im Browser | Nein — trotzdem oft Ihre Schrift, siehe unten | je nach Schrift |
| Gmail-App auf iPhone und Android | Nein | Ersatzschrift |
| Outlook für Windows | Nein — nimmt die Anweisung an, lädt aber nichts | Ersatzschrift |
| Outlook für Mac, aktuelle Fassung | Nein | Ersatzschrift |
| Outlook.com und Outlook-App | Nein | Ersatzschrift |
| GMX und Web.de im Browser | Nein | Ersatzschrift |
| Proton Mail im Browser und auf dem iPhone | Nein | Ersatzschrift |
| Yahoo, AOL, Fastmail | Nein | Ersatzschrift |
Zwei Sonderfälle, die man kennen sollte
Gmail im Browser zeigt manche Webschriften trotzdem
Gmail lädt keine fremden Schriften — verwendet für seine eigene Bedienoberfläche aber die Schriftfamilien Roboto und Google Sans. Diese sind dort also bereits vorhanden und erscheinen deshalb auch in der Nachricht. Wer auf seiner Webseite Roboto einsetzt, hat bei Gmail im Browser Glück. Für jede andere Webschrift gilt das nicht, und für die Gmail-App auf dem Telefon ebenfalls nicht.
Outlook für Windows ersetzt eigenmächtig
Ältere Outlook-Fassungen ignorieren nicht nur die Webschrift, sondern auch die hinterlegte Ersatzschrift — und setzen stattdessen selbstständig eine Serifenschrift ein, meist Times New Roman. Das Ergebnis ist schlechter als ein schlichtes Arial. Abfangen lässt sich das mit einer Zusatzanweisung, die ausschliesslich Outlook liest. Sie gehört in jede Newsletter-Vorlage, die mit einer Webschrift arbeitet.
Diese Schriften funktionieren immer
Sogenannte websichere Schriften sind auf praktisch jedem Gerät installiert und müssen deshalb nie nachgeladen werden. Sie erscheinen in jedem Mailprogramm gleich:
- Arial und Helvetica — neutral, nahe an vielen modernen Hausschriften
- Verdana, Tahoma, Trebuchet MS — etwas breiter, gut lesbar auf kleinen Bildschirmen
- Georgia, Times New Roman — Serifenschriften für einen klassischen Auftritt
- Courier New — Schreibmaschinenschrift, nur für Sonderfälle
Der Newsletter-Editor in OpenBiz bietet aus diesem Grund genau diese Auswahl an: Was dort angeboten wird, kommt garantiert an.
Was sonst noch nicht überall gleich ankommt
Farben, Logo, Bilder, Abstände und Trennlinien werden direkt mitgeliefert und müssen nicht nachgeladen werden — sie sind unkritisch. Zwei Punkte sind es nicht:
- Runde Ecken an Knöpfen. Outlook für Windows kennt sie nicht und stellt den Knopf rechteckig dar. Farbe, Beschriftung und Verlinkung bleiben erhalten.
- Bilder. Viele Programme laden Bilder erst nach ausdrücklicher Freigabe durch den Empfänger. Wichtige Aussagen gehören deshalb nie ausschliesslich in ein Bild.
Datenschutz: Schriften nie direkt von einem fremden Verzeichnis einbinden
Viele Webschriften stammen aus dem Schriftenverzeichnis von Google. Bindet man eine Schrift direkt von dort ein, ruft jedes Mailprogramm jedes Empfängers beim Öffnen der Nachricht eine Datei bei Google ab. Übermittelt werden dabei IP-Adresse und Programmkennung — bei jedem Öffnen, ohne Zutun des Empfängers.
Wir binden Schriften deshalb grundsätzlich vom eigenen Server ein. Die Datei liegt dann auf der eigenen Domain, es entsteht keine Verbindung zu Dritten, und das Ergebnis ist für den Empfänger identisch. Für Schweizer Organisationen ist das die einzige Variante, die sich gegenüber den Mitgliedern sauber vertreten lässt.
Zwei Wege — und wie man sich entscheidet
Weg A: einheitlich eine websichere Schrift
Alle Empfänger sehen dieselbe Schrift. Das Bild ist ruhig und in jedem Postfach identisch, die Hausschrift kommt im Newsletter aber nicht vor. Kein Zusatzaufwand, kein Risiko.
Weg B: Hausschrift, wo sie möglich ist
Ein Teil der Empfänger sieht die Hausschrift, alle übrigen eine sauber gewählte Ersatzschrift. Der Newsletter kommt dem Webauftritt näher — dafür sieht er nicht mehr bei allen gleich aus. Nötig sind: die Schriftdatei auf dem eigenen Server, die Einbindung in der Vorlage und die Sonderbehandlung für Outlook.
Faustregel: Steht die Wiedererkennung im Vordergrund und ist die Leserschaft gemischt, ist Weg B die bessere Wahl. Geht es um formelle Mitteilungen, bei denen ein einheitliches Bild zählt — Einladungen, Rechnungen, Protokolle — ist Weg A der ruhigere.
Vor jedem grossen Versand: nachmessen
Übersichten wie die obige geben die Richtung vor, ersetzen aber keinen Test. Mailprogramme ändern ihr Verhalten. Wir empfehlen vor jedem grösseren Versand einen Testversand an je ein Konto bei Gmail, Outlook und Apple Mail und einen Blick auf das Ergebnis. Der Newsletter-Editor bietet dafür die Funktion «Testen».
Grundlage dieser Angaben
Die Übersicht stammt aus der öffentlichen Testdatenbank caniemail.com, die Mailprogramme systematisch auf einzelne Darstellungsmerkmale prüft. Verwendeter Datenstand: 10. August 2026; die Tests zu Webschriften wurden dort zuletzt im Dezember 2023 durchgeführt.